Unternehmen streben zunehmend danach, sich für allerlei eindrucksvoll klingende Siegel und Zertifikate zu qualifizieren, die sie als herausragender Arbeitgeber auszeichnen sollen. Von derlei Auszeichnungen erhoffen sie sich einen Schub für ihr Employer Branding. In Zeiten des Fachkräftemangels ein Muss, um Talente und qualifizierte Mitarbeiter für das eigene Unternehmen zu gewinnen.

Qualifizierte Bewerber müssen nicht mehr um die Gunst der Unternehmen buhlen. Viel mehr funktioniert es umgekehrt: Unternehmen machen sich auf die Suche nach den gut ausgebildeten Fachkräften und werben sie sogar von der Konkurrenz ab. Ein schickes Siegel, das auf einen Blick verdeutlicht, dass es sich bei dem Unternehmen um einen begehrten Top-Arbeitgeber handelt, kommt da gerade recht, um potenziell interessierte Bewerber von den Arbeitgeberqualitäten zu überzeugen.

Inzwischen vergeben viele verschiedene Anlaufstellen derlei Arbeitgebersiegel, zum Beispiel Unternehmensberatungen, Meinungsforschungsinstitute oder Arbeitgeberbewertungsportale. Meist gelten diese Auszeichnungen für einen bestimmten Zeitraum. Oft ist jedoch nicht klar, auf Basis welcher Kriterien die Siegel vergeben wurden oder was sie tatsächlich über den jeweiligen Arbeitgeber aussagen. Deshalb ist für Arbeitnehmer, die sich von derlei Siegeln beeindrucken lassen, Vorsicht geboten – nicht alle Siegel sind tatsächlich aussagekräftig oder spiegeln das wider, was man hinter einem Titel wie "Bester Arbeitgeber Österreichs" vermuten könnte. Wir geben Ihnen gerne einen Überblick darüber, was Sie bezüglich Arbeitgebersiegel beachten sollten und wie aussagekräftig diese Auszeichnungen tatsächlich sind.

Welche Arbeitgebersiegel gibt es und wie vertrauenswürdig sind sie?

Grundsätzlich lässt sich zwischen drei verschiedenen Arbeitgebersiegeln unterscheiden.

1. Siegel, die im Rahmen einer Unternehmensberatung vergeben werden

Ein Großteil der Arbeitgebersiegel, die sich auf dem Markt befinden, werden von Dienstleistern vergeben, die sich auf die Evaluation von Arbeitsklima und Mitarbeiterzufriedenheit spezialisiert haben, z.B. Unternehmensberatungen. Wenn ein Arbeitgeber daran interessiert ist, sich mit dem jeweiligen Siegel zu schmücken, wird dieses Unternehmen beauftragt, eine entsprechende Evaluation vorzunehmen und zu prüfen, ob er den Anforderungen des Siegels auch gerecht wird. Dabei können verschiedene Prüfverfahren zum Einsatz kommen:

  • Anonyme Mitarbeiterbefragungen per Fragebogen
  • Mitarbeiterinterviews
  • Zielvereinbarungen
  • Workshops
  • Überprüfung von konkreten Unternehmenszahlen wie Gehälter, Urlaubstage und mehr
  • Coachings
  • etc.

Hinter der Siegelvergabe verbirgt sich in den meisten Fällen somit weniger ein einfacher Test als vielmehr ein Optimierungsprozess, den der Auftraggeber mit Hilfe des engagierten Siegelanbieters durchläuft. Der Dienstleister durchleuchtet den Auftraggeber im Idealfall ausführlich und lokalisiert Bereiche, die verbessert werden können. Erfüllt der Arbeitgeber schließlich alle relevanten Kriterien, erhält er zum Abschluss der Unternehmensberatung das angestrebte Siegel. Dabei muss es nicht zwangsläufig um das allgemeine Betriebsklima gehen. Es gibt auch Siegel, die wesentlich spezifischere Qualitäten auszeichnen, z.B. die Familienfreundlichkeit von Arbeitgebern.

Ein Problem bei dieser Art der Siegelvergabe ist, dass von außen selten deutlich wird, unter welchen Bedingungen das Siegel vergeben wurde. Welche Kriterien mussten genau erfüllt werden, um das Siegel zu erhalten? Erhält automatisch jedes Unternehmen, dass den Siegelanbieter engagiert, die Auszeichnung? Diese Fragen sind meist Betriebsgeheimnis des Gütesiegelanbieters. Bei derlei mangelnder Transparenz lässt sich nicht ausschließen, dass die Anforderungen für das Siegel niedrig und die Auszeichnungen somit wenig aussagekräftig sind.

Der Fakt, dass es sich bei dem Gütesiegel nicht um eine unabhängige Auszeichnung handelt, sondern die Urkunde gegen Bezahlung vergeben wird, sollte natürlich skeptisch machen. Zwar ist der Vorwurf des "erkauften Siegels" oftmals unangebracht, da sich die jeweiligen Anbieter für eine konkrete Leistung und nicht etwa für das Siegel bezahlen lassen. Doch wer von der Vergabe der Gütesiegel lebt, drückt vielleicht auch einmal ein Auge zu und verfälscht somit Ergebnisse zu Gunsten des Auftraggebers. Dass Titel wie "Top-Arbeitgeber Österreich" im Falle von derlei Anbietern oft übertrieben sind, erklärt sich zudem von selbst, denn in ihre Wertung fließen eben nicht alle Arbeitgeber Österreichs ein, sondern lediglich diejenigen, die den Siegelanbieter beauftragt haben.

2. Siegel, die aufgrund von Umfrageergebnissen vergeben werden

Neben Siegeln, die auf der Basis ausführlicher Einblicke in die Unternehmenskultur vergeben werden, gibt es auch Siegel, die lediglich den Ruf der jeweiligen Unternehmen bewerten. Gütesiegel werden hierbei verteilt, ohne dass jemals ein kritischer Blick auf die Vorzüge oder Nachteile des potenziellen Arbeitgebers geworfen wurde. Stattdessen basieren Auszeichnungen auf Umfrageergebnissen, die meist von Marktforschungsinstituten eingeholt wurden.

Die bekanntesten Siegel dieser Art befragen zum Beispiel die sogenannten Young Professionals – also Studierende der höheren Semester sowie Erwerbstätige mit weniger als 8 Jahren Berufserfahrung – welche Unternehmen sie für die begehrtesten Arbeitgeber des Landes halten. Die Ergebnisse werden dann meist nach den jeweiligen Branchen gegliedert und schließlich veröffentlicht.

Diese Art der Siegelvergabe kann grundsätzlich als die am wenigsten zuverlässige und aussagekräftige bewertet werden. Es ergeben sich bei dieser Methode schnell mehrere eklatante Mängel:

    1. Das Ranking sagt nichts darüber aus, wie die tatsächlichen Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Unternehmen sind, sondern nur darüber welche Arbeitsbedingungen dort von den Umfrageteilnehmern vermutet werden.
    2. Bekannte Großunternehmen schneiden automatisch besser in der Wertung ab, denn sie kommen den Befragten eher in den Sinn als kleinere Unternehmen, die vielleicht bessere Arbeitsbedingungen bieten.
    3. Im Zweifelsfall hat nicht jeder Arbeitnehmer die gleichen Prioritäten bezüglich der Qualitäten seines Arbeitgebers wie die junge Umfragegruppe. Für Fachkräfte außerhalb dieser Gruppe ist das Siegel demnach wenig aussagekräftig.

Zusätzlich ist bei Gütesiegeln dieser Art zu bemängeln, dass die Kriterien in vielen Fällen äußerst undurchsichtig sind. Bei den Young Professionals-Umfragen wird zum Beispiel oft nicht deutlich, wer an der Umfrage teilnimmt bzw. wer zur Teilnahme angeregt wird. Eine genaue Erklärung über die Auswertungsmethodik liegt meist ebenfalls nicht vor. Insgesamt lässt sich an solchen Arbeitgebersiegeln also vor allem der Stellenwert des jeweiligen Unternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung ablesen und kaum etwas Substantielles über die tatsächlichen Arbeitsbedingungen.

3. Siegel, die von Bewertungsplattformen vergeben werden

Schlussendlich gibt es auch noch Qualitätssiegel, die von Arbeitgeberbewertungsportalen vergeben werden, darunter sehr bekannte Anbieter wie Kununu oder Glassdoor. Diese Plattformen machen sich die Macht der Schwarmintelligenz zu Nutze und fordern Arbeitnehmer dazu auf, die Qualitäten ihres aktuellen oder ehemaligen Arbeitgebers zu bewerten. Das System funktioniert demnach ganz ähnlich wie Kundenrezensionen bei Amazon oder Yelp. Manche der Plattformen erteilen Unternehmen, die besonders viele und positive Bewertungen erhalten haben, ein Gütesiegel, mit dem sie sich schmücken können.

Mit gutem Recht erfreuen sich derlei Bewertungsplattformen immer größerer Beliebtheit, bergen sie doch viele Vorteile für Arbeitnehmer. Die Unternehmen werden von den Usern nach transparenten Kriterien bewertet und Besucher der Plattformen erhalten klare, meist ausführliche, wenn auch subjektiv gefärbte Einblicke in das Unternehmensgeschehen. Diese reichen allemal als Anhaltspunkte, um die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber signifikant zu erleichtern.

Was die Zertifikate betrifft, gibt es jedoch auch hier einige Punkte zu bemängeln. Obwohl einzelne User-Rezensionen interessant und aussagekräftig sein mögen, so lässt sich das Gesamtergebnis dennoch leicht mit Fake-Bewertungen manipulieren, sowohl ins positive (zum Beispiel vom Unternehmen selbst) als auch ins negative (zum Beispiel von vergrätzten Mitarbeitern oder anderen dem Unternehmen nicht wohlgesinnten Interessengruppen). Außerdem liegt die Messlatte für ein Qualitätssiegel auf vielen Bewertungsplattformen nicht allzu hoch, was die Aussagekraft der Auszeichnung deutlich schwächt.

Statt sich auf die Siegel der Bewertungsportale zu verlassen, sollten Sie also besser die Rezensionen der Bewertungsportale durchstöbern, die ihnen meist aussagekräftigere Eindrücke in den Unternehmensalltag des potenziellen Arbeitgebers geben.

Arbeitgebersiegel – bestenfalls ein grober Anhaltspunkt

Für Menschen, die auf der Suche nach aussagekräftigen Informationen über einen Arbeitgeber sind, können Arbeitgeberzertifikate und sonstige Auszeichnungen dieser Art demnach nur ein grober Anhaltspunkt sein. Sicherlich macht ein Siegel deutlich, dass das Unternehmen grundsätzlich Wert darauf legt, als guter Arbeitgeber angesehen zu werden. Inwiefern das aber auch zutrifft, ist von Siegel zu Siegel unterschiedlich und letzten Endes auch nie zu 100 % einsehbar. Sollte ein Arbeitgeber mit Siegelauszeichnung Ihr Interesse wecken, lohnt es sich in jedem Fall, dem Zertifikat mit einer kritischen Recherche auf den Grund zu gehen. Ist öffentlich einsehbar, unter welchen Voraussetzungen das Siegel vergeben und welche genauen Kriterien bei der Prüfung angewendet wurden? Sind derlei Informationen nicht gegeben, ist es besser dem Siegel nicht allzu sehr zu vertrauen und sich stattdessen einige Rezensionen auf Arbeitgeberbewertungsportalen durchzulesen.

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